Überraschung! Eine Reise nach New York, der Gutschein dafür liegt auf deinem Geburtstagstisch. Heimlich hat der Mann deines Lebens gespart und jetzt, pünktlich zu deinem Vierzigsten, hat er alles zusammen: zwei Flugtickets, Hotel am Central Park, Theaterkarten für den Broadway. „Eine Woche nur für uns“, sagt er. Die Kinder hat er bei den Großeltern eingebucht.
Dein Mann in New York! Mit dir! Seit den ersten verliebten Tagen waren die Berge das gemeinsame Ziel. Natur, Sport, Ruhe, Urlaube im Gebirge, auf dem Bauernhof. Jetzt, zwölf Jahre und zwei Kinder später, stellst du fest: Entweder glaubt er, dass du unbedingt einmal eine Millionenstadt sehen möchtest. Oder er will es endlich mal erleben.
Die meisten langjährigen Paare würden schwören, sich aus dem Effeff zu kennen: Sie besteht auf den Tatort am Sonntagabend, isst lieber Nudeln als Reis, trägt bis November keine Strümpfe, liebt es, die Wohnung umzuräumen, mag keine gestreifte Bettwäsche. Er läuft mittwochs und samstags fünf Kilometer, will morgens in Ruhe Zeitung lesen, telefoniert ungern mit seiner Mutter, hasst Krautrouladen.
Heimliche Sehnsüchte, unerfüllte Wünsche? Das würden wir doch wissen! Nicht unbedingt. Wir können auswendig aufsagen, welche Zahnpastamarke der Partner bevorzugt, ob er gegen Grippe geimpft ist und wie er seinen Kaffee mag, ein Löffel Zucker, wenig Milch. Aber was sind seine Ziele, Hoffnungen, Ängste, wovon träumt er? Wetten, dass vier von fünf Paaren sagen: Wann, bitte, sollen wir denn darüber sprechen? Wir reden über den anstehenden Kindergartenausflug und darüber, ob der Sohn neue Gummistiefel braucht, über Zahnarzttermine, die Wühlmaus im Tulpenbeet. Nicht, weil diese Dinge uns brennend interessieren. Aber das Leben muss schließlich gewuppt werden.
Am Anfang einer Beziehung ist das ganz anders: Stundenlang hören Verliebte sich zu, erzählen von Vergangenem, über ihre Träume, malen sich das gemeinsame Leben aus. Es sind innige Momente, in denen wir uns dem Partner besonders nahe fühlen, weil wir ihm unser Herz öffnen. So wachsen wir zusammen, so entstehen Nähe, Vertrauen und Liebe, die über das Kribbeln im Bauch hinausgehen. Warum beenden wir diese aufregenden Entdeckungsreisen irgendwann? Warum erkunden wir den Partner nicht weiter und immer wieder neu? Liegt es tatsächlich nur am Zeitmangel?
Oder ist es nicht vielmehr so: Als eingespieltes Team sehen wir den anderen nicht mehr als eigenständigen Menschen, der noch Neues zu bieten hat. Vor lauter Alltagskladderadatsch übersehen wir, was jeder Psychologe uns bestätigen kann: Jedes Alter, jeder Lebensabschnitt hält neue Entwicklungsaufgaben bereit, jede Veränderung macht etwas mit uns, verändert auch den Menschen, den wir neben uns haben.
„Eine Partnerschaft ist kein Tandem, mit dem die Partner im gleichen Takt in genau dieselbe Richtung fahren“, sagt der Buchautor Christian Thiel („Was glückliche Paare richtig machen“, campus). Aus seiner Beratungsarbeit weiß der Therapeut, dass in vielen Beziehungen eine Menge Zeit mit unwichtigen Gesprächen verschwendet wird, dass man die wirklich entscheidenden Dinge dabei aus den Augen verlieren kann. Und plötzlich weiß man nicht mehr, wohin die Reise beim anderen geht.
„Machen Sie es anders. Sorgen Sie dafür, dass Sie die Ziele und Wünsche Ihres Partners kennen und verstehen“, sagt er. „Aber was geschieht mit der Steuererklärung?“, könnte man jetzt fragen. „Und was soll die Schwiegermutter zum Siebzigsten bekommen?“ Über all das muss doch geredet werden! Ja, aber nicht nur. Im Gegenteil: Viele Alltagsthemen sind brauchbare Aufhänger für Gespräche, die über das hinausgehen, was geregelt werden muss. Sie verraten uns, was der Partner denkt und fühlt – wenn wir ihn nur danach fragen.
Beziehungspflege über die Anlage N des Einkommensteuerformulars? Das geht ganz wunderbar: „Das hast du also im letzten Jahr verdient, fühlst du dich damit gerecht entlohnt?“, können wir den Partner etwa fragen und bekommen dann etwas zu hören über berufliche Ziele, über Ärger und Frust, über Erfolge und Leistung. Oder es entspinnt sich ein Gespräch darüber, wofür man gerne Geld beiseitelegen würde. „Ein Klavier? Seit wann willst du denn Klavier spielen?“, fragt er. „Seit ich als Kind in einem Konzert war“, sagt sie. Wieder etwas gelernt. Doch, es gibt die Zeit für solche Gespräche. Sie müssen nicht lange geplant sein. Wichtig ist nur, dass wir neugierig bleiben aufeinander. Dann erfahren wir beim Ideensammeln für das Geburtstagsgeschenk der Schwiegermutter vielleicht nebenbei, dass der andere unbedingt einmal nach New York will. Und nicht immer in die Berge.
Wie gut kennen Sie Ihren Partner? Finden Sie es heraus – mit unserem Test!
Anne Ebert / Baby und Familie;
20.02.2012
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto
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